Jul 262022
 
 Posted by on 26. Jul. 2022

Der „Erbauer der Kirche“, Pfarrvikar Sondermann, wählte die Mutter von der „Immerwährenden Hilfe“ zur Fürsprecherin für sich und die Gemeinde. So wurde auch die Kirche unter dieses Patronat gestellt. Anlässlich der Volksmission durch Redemptoristenpatres aus Bochum hat er sich von diesen wohl eine Kopie des Bildes erbeten, dessen Original den Redemptoristen in Rom zur Verehrung und Verbreitung anvertraut ist. Das auf April 1907 datierte Wallfahrtsprivileg von Papst Pius X. scheint jedoch schnell im Archiv verschwunden zu sein, denn von Wallfahrten ist bis zum zweiten Weltkrieg nichts zu lesen. Immerhin bescheinigt Pfarrvikar Zink (1921) der Gemeinde eine tiefe Marienfrömmigkeit und spekuliert, Sandersdorf „wäre wohl im Mittelalter ein Marienwallfahrtsort gewesen“.

Erst Pfarrvikar Lucas (1941-1950) berichtet von den „Rheinländern“, die nach ihrer Gewohnheit jährlich eine Wallfahrt zu ihren Marienorten machten und nun im „Exil“ die Marienkirche in Sandersdorf für sich entdeckten: Zuerst waren es Einzelne von auswärts. Die erste Einladung zu einer Wallfahrt erging an die Jugend. Dieser seien im ersten Jahr sieben- bis achthundert Jugendliche gefolgt, im nächsten Jahr schon tausend. Dann kamen die Frauen mit Sonderwallfahrten aus Zörbig, Bitterfeld und Delitzsch (mit dem Sonderzug), aus Wittenberg und Neumark, dann eine Jugendwallfahrt von Aken und eine Dekanats-Männerwallfahrt. Erst danach habe man im Archiv das Wallfahrtsprivileg entdeckt, dessen Übersetzung jetzt in der Kirche hängt.

1954 wird das Pfarrgrundstück für die „Wallfahrtssaison vom 1. Mai bis zum Rosenkranzfest“ (7. Oktober) um den Mariengarten erweitert.

1973 schreibt Pfarrer Broeske von einer Frauenwallfahrt und einer Männerwallfahrt für das Dekanat.

1976 gab es erstmals eine regionale Kolpingwallfahrt nach Sandersdorf.

Im heiligen Jahr 1983 erhält die Kirche ein weiteres Privileg als Jubiläums-Wallfahrtskirche bis Ostern 1984. Aus diesem Anlass gibt es auch eine Familienwallfahrt nach Sandersdorf, an der der Bischof teilnimmt. Dafür schließen sich die Männer der diözesanen Männerwallfahrt auf die Huysburg an.

Inzwischen ist die Kolping-Diözesanwallfahrt (in diesem Jahr wegen Corona abgesagt) der Sandersdorfer Kolpingsfamilie eher zur Last geworden. Der Frauenwallfahrt macht die Frauenwallfahrt (neuerdings Frauenfest) des Bistums nach Helfta Konkurrenz und viele von denen, die 1943 noch zu Hunderten zur Jugendwallfahrt kamen, leben nicht mehr. Kurzum: die Kirche ist nur locker besetzt.

So habe ich den Vorstoß gewagt, diejenigen, die in den letzten Jahren die Frauenwallfahrt vorbereitet und getragen haben, zu fragen, ob sie sich eine Öffnung und entsprechende Umbenennung in Sandersdorf-Wallfahrt vorstellen könnten. Bei denen rannte ich offene Türen ein. Eine Frauenwallfahrt bleibt es ja trotzdem. Denn wir kommen zu „Unserer lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“.

2020 haben wir zu dieser neu benannte Wallfahrt coronabedingt nur Bitterfeld, 2021 auch Wolfen-Zörbig eingeladen.
Inzwischen gibt es keine verbindlichen Beschränkungen mehr, so dass wir gern auch wieder die Pfarreien der Region zur jetzt allgemeinen Wallfahrt nach Sandersdorf einladen.

Vielleicht müssen wir auch die ganz private Wallfahrt vom Anfang der 40er Jahre wiederentdecken.
Wie es aber mit der Wallfahrt nach Sandersdorf weitergeht liegt vor allem daran, ob wir – nicht nur in Corona-Zeiten – auch weiterhin Hilfe suchen bei „jener, welche von allen Geschöpfen am besten helfen kann und am liebsten helfen will; bei der der allerseligsten Jungfrau und lieben Gottesmutter Maria.“ – wie Pfarrvikar Sondermann schon für 1905 schrieb.

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com