Apr 082017
 
 Posted by on 08. Apr. 2017
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palmsonntag (680x510).

Vielleicht irritiert es, in den Gottesdiensten des Palmsonntag von einem grandiosen Einzug Jesu in Jerusalem zu hören und wenig später vom letzten Abendmahl, vom Verrat des Judas, von Gefangennahme, Folter und Tod Jesu. – Nicht, dass wir zu solchen Höhenflügen und anschließenden Bruchlandungen in unserer Zeit keine Parallelen fänden… Die eine oder der andere, der erst hochgejubelt und zum Messias gemacht und dann fallengelassen oder gar verdammt wird, mag sich durch diese Schicksalsgemeinschaft vielleicht getröstet fühlen. Aber hier geht es wohl doch um etwas anderes. Die Evangelisten schreiben keinen Fortsetzungsroman, sondern halten fest, was bekannt ist und deuten die Geschehnisse im Glauben. Wenn Jesus nach Jerusalem kommt, dann kommt er in die Stadt des großen Königs und doch auch an den Ort seines Sterbens. Die Inszenierung dieses Einzugs auf einem Esel in den Evangelien und das Feiern dieses Einzugs in den christlichen Gemeinden am Beginn der Karwoche ist ein Glaubensbekenntnis und eine Standortbestimmung: Der hier kommt ist der verheißene Friedenskönig, der Messias, der Sohn Gottes. Sein Leiden und Sterben ist kein Betriebsunfall der Geschichte, sondern es ist der Weg auf dem die Solidarität Gottes mit den Menschen sich auf das äußerste konkretisiert. An mir ist es zu entscheiden, ob ich diesen Weg Gottes annehmen will, der sich solidarisch mit und stellvertretend für alle – auch für mich und mit mir –  zum Sündenbock macht. Wer dies so sehen und annehmen kann, sollte es nicht nötig haben, die Austreibung oder das Schlachten von weiteren Sündenböcken zu fordern, manchmal scheinen es aber doch dieselben zu sein, die „Hosanna“ und „Kreuzige ihn“ rufen.

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